Meine Bilder entstehen in einer ehemaligen Destillierfabrik in
Hamburg–Winterhude, in der es noch immer nach Kräutern duftet.
In meinem großen, hellen Studio stehen außer meiner Staffelei nur meine Bilder. Ich brauche diese Ordnung,
dieses Gefühl von absoluter Leere, um so, befreit von allen äußeren Einflüssen, meine Bilder zu malen.
Ich male so wie ich bin, wie es meiner Art entspricht: Gerade, ohne Schnörkel,
aber mit einer großen Sehnsucht nach Romantik und Schönheit.
Ich träume von einem friedfertigen Leben, auch wenn ich weiß, dass die Zeiten alles andere als friedlich sind.
In meinem Kopf und in meiner Seele herrschen romantische Bilder vor, und obwohl ich in der Großstadt lebe,
spüre ich eine große Sehnsucht nach Natur. Nach etwas, das der Mensch nicht beschmutzen und zerstören soll.
Ich male bewusst einfach – ein Haus, ein Baum, ein Weg, ein See – jedes meiner Landschaftsbilder
ist wie eine stille Liebe, wie eine Flucht aus dem Alltag.
In ihnen versuche ich die einfachen Gefühle und Sehnsüchte auszudrücken, die unser hektisches Leben
verschüttet hat. Ich nenne sie deshalb meine „
Bilder für die Seele“, weil sie den Betrachter wie in einem
schönen Traum mit auf die Reise nehmen, weil sie protestieren sollen gegen Hässlichkeit und Gewalt.
Meine Bilder stehen für ein großes altmodisches Verlangen nach einem Ort, der ruhig macht und wunschlos.
Wie male ich?
Ich sehe und beobachte von Natur aus sehr präzise, feinteilig und äußerst perspektivisch.
Von dieser Voraussetzung ausgehend, löse ich das allzu Realistische auf, verzichte auf unwichtige Details,
überhöhe einzelne Gegenstände, übertreibe und verändere Farben und verzerre Perspektiven.
Ich suche nach harmonischer Darstellung, obwohl meine Bilder voller Gegensätze sind:
Weiche verwaschene Flächen werden von klaren Linien und Konturen begrenzt,
ergeben so gleichzeitig Ruhe und Bewegung.
Hell und Dunkel und kontrastreich gesetzte Farben erhöhen die Spannung innerhalb des Bildes.
Und obwohl ich nie „reine“ Farben benutze, sind meine Bilder
trotzdem intensiv farbig. Die Wahl der Farben unterstützt den Inhalt.
Ich versuche ein Leuchten aus dem Inneren des Bildes zu erreichen.
Grundsätzlich male ich erst ein Bild fertig, bevor ich mit dem nächsten beginne.
Ein Bild ist ein abgeschlossener Prozess für mich, und erst wenn ich
zufrieden bin, kann ich mit etwas Neuem beginnen.
Neu heißt für mich auch, von Zeit zu Zeit die Themen zu wechseln.
Was male ich?
Neben meinen Landschaftsbildern entstehen Stilleben der verschiedensten Art.
Sie kommen leicht und in schönen Farben daher. Ich nenne sie
„Bilder für die Sinne“, denn sie stehen für Genuss und Lebensfreude.
Portraits zu malen hat mich seit meiner Kindheit fasziniert.
Schon als 14jahrige zeichnete ich berühmte „Köpfe“, und auch heute ist keine bekannte Persönlichkeit,
die mich interessiert, vor mir sicher.
Meistens mache ich Portraits im Auftrag, überwiegend von Kindern.
Dabei versuche ich aus jedem Gesicht das Eigenwillige und Schöne herauszulesen, einfach und klar zu bleiben
und so ein Dokument des Gegenwärtigen für die Zukunft zu schaffen.

Und last but not least habe ich eine Serie Frauenfiguren in historischen Kostümen gemalt, eine
Zeitreise
durch die Jahrhunderte als Bilderbogen für den immer wieder erstaunlichen Wandel des Schönheitsideals.

Seit 2001 „male“ ich außerdem am PC, bearbeite Fotos, verfremde meine eigenen Bilder in wilder
Manier und nenne das oft verrückte Ergebnis der vielen schnellen Clicks und Tricks meinen „
Zeitgeist.“
Obwohl ich den PC als modernes Medium sehr zu schätzen weiß, erkenne ich umso mehr den Wert
eines Originals. Handwerk im wahrsten Sinne des Wortes ist etwas Einmaliges,
etwas, was langsam, mit viel Liebe und wenigen Hilfsmitteln entsteht.

Ich betrachte meine Arbeit als „post-modern neo-romantisch“,
und hoffe, dass meine Bilder die Sinne anregen, in die Seele wandern
und dort bleiben wie ein guter Freund.
Bettina Hagen
P.S. Am
18.3.2001 beendete ich mein bisher größtes Bild (220 x 175)
und benannte es nach dem Tag der Fertigstellung.

Dieses Bild entstand als Ausdruck meiner Sorge über den unübersichtlichen Zustand
der Welt und gleichzeitig als Erklärung für meine Sehnsucht nach Harmonie und Schönheit.
Täglich spüre ich die Ohnmacht des Einzelnen,
an der globalen Komplexität des Daseins nichts ändern zu können.
Totale Vernetzung, Umweltverseuchung, Naturkatastrophen, Überbevölkerung,
Informationsfluten, fanatische Fundamentalisten, Aufkündigung der alten Werte.
Zuviel, um alles in den Griff zu bekommen.
Mein Bild
„ 18. 3.2001“ bedeutet für mich Aufzeigen und Befreiung vom Druck der Gedanken,
die mich - und ich glaube nicht nur mich - beschäftigen.
Meine dunklen Vorahnungen, die ich im Bild verarbeitet habe, sind durch die Ereignisse des
11. 9 2001
in brutaler Weise Wirklichkeit geworden, und ich wünsche mir manchmal, ich hätte dieses Bild nie gemalt.
Gleichzeitig fühle ich mich in meiner Absicht bestärkt, in diesen unsicheren, gewalttätigen Zeiten
weiterhin Bilder voller Sanftmut und Friedenssehnsucht zu malen.